Das Tonband hat
ausgedient
„Digitales Diktieren“ heißt der neue Ansatz
in Branchen mit hohem Schreibaufkommen. Durch den kombinierten Einsatz von
Spracherkennung und digitaler Sprachverarbeitung lässt sich der Zeitaufwand
bei der Texterstellung um ein Vielfaches verringern - dies zeigen
erfolgreiche Anwendungen in Rechtsanwalts- und Notariatskanzleien.
Aufwändiges Hin- und Herspulen und zerkratzte Bänder gehören damit der
Vergangenheit an.
Wenn Rechtsanwalt und Notar Werner Kastner, Sozietätspartner der Kanzlei Dr.
Bongartz, Kastner & Kollegen aus Borken/Westfalen, heute mit dem Mikrophon in
der Hand am Schreibtisch sitzt und diktiert, hat sich auf den ersten Blick
kaum etwas geändert. Doch wo Schriftsätze, Klageschriften und
Notariatsverträge früher kleine Minikassetten füllten, speichert Rechtsanwalt
und Notar Kastner seine Texte heute direkt als Sprachdatei im PC ab. „Diese
Dateien sind dann sofort im Netzwerk verfügbar und ich kann sie beliebig auf
verschiedene Schreibkräfte verteilen“, erklärt er. Möglich macht dies die
bereits in zahlreichen Kanzleien erfolgreich eingesetzte Diktatsoftware des
Berliner Herstellers DictaNet Software AG. Sie führt die beiden bisher
getrennten Systeme - analoges Tonband einerseits und PC-Netzwerk andererseits
- auf innovative Weise zusammen.
„Ähnlich wie die Umstellung von Stenographie
auf Diktiergerät“
17 Mitarbeiter umfasst die Borkener Sozietät, neben den fünf Anwälten arbeiten
12 Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und Auszubildende in der auf
zivilrechtliche Fragen für mittelständische Unternehmen spezialisierten
Kanzlei. Im Januar 2002 wurde die DictaNet-Software dort durch das
Systemhaus Michgehl und Partner aus Nordwalde, einen auf Rechtsanwalts- und
Diktatsoftware spezialisierten IT-Integrator, installiert. Der zeitliche
Aufwand für die Implementierung war gering: Innerhalb eines halben Vormittags
war das System installiert und nach einem kurzen Initialtraining für die
Angestellten konnte bereits mit dem praktischen Einsatz begonnen werden.
Was sich durch diese Umstellung in der täglichen Praxis alles ändern würde,
konnten sich die Beschäftigten zunächst gar nicht vorstellen. Und doch: „So
ähnlich muss vor 30 Jahren auch die Ablösung der Stenographie durch das
Diktiergerät die Arbeitsweise beeinflusst haben“, glaubt Rechtsanwalts- und
Notarfachangestellte Katja Klapsing.
Vorteile bietet das digitale Diktieren für Diktierenden und Schreibkraft
gleichermaßen. „Als Diktant hatte ich vor dem Einsatz von DictaNet nur
geringe Erfahrungen im Umgang mit EDV. Dennoch kam ich vom ersten Tag an mit
der für mich neuen Technik sehr gut zurecht und möchte sie heute nicht mehr
missen. Mit ihr kann ich spätere Änderungen in die Datei jederzeit problemlos
einfügen, ohne wie früher umständlich zu spulen. Auch störende Nebengeräusche,
wie z.B. beim Diktieren im Auto, stellen praktisch kein Problem mehr dar“,
beschreibt Rechtsanwalt und Notar Dr. Michael Bongartz das neue Vorgehen. Da
die DictaNet-Software herstellerunabhängig ist und Diktathardware aller
führenden Hersteller eingebunden hat, kann er sich aussuchen, ob er mit dem
Mikrophon am Schreibtisch oder mit dem Handdiktiergerät unterwegs arbeitet.
„Üblicherweise nutze ich das Olympus DS- 3000, für kurze Texte zwischendurch
nehme ich zum Beispiel eher mein neues Siemens SL 45, ein Handy mit
Aufnahmefunktion."
Spracherkennung ist integriert
Rechtsanwalt und Notar Dr. Bongartz und seine Kollegen nutzen beim Diktieren
auch die in DictaNet integrierte Dragon NaturallySpeaking
Spracherkennung. Dadurch entsteht neben dem Diktat als Sprachdatei außerdem
ein Text, der das gesprochene Wort auf dem Bildschirm wiedergibt. Das Diktat
und den Text erhalten dann die Mitarbeiterinnen zur Bearbeitung. Katja
Klapsing: „Ich höre das Diktat, während ich den erfassten Text gleichzeitig
vor mir sehe und muss dann dort während des Abhörens nur noch kleine
Korrekturen vornehmen wie Eigennamen einsetzen, falsch erkannte Zahlen
verbessern oder unklare Endungen richtig stellen.“ Für Abschriften benötigt
die 25-jährige auf diese Weise nur noch zwei Drittel der bisherigen Zeit.
Für das Anwalts- und Notariatsteam ergeben sich daraus enorme
Rationalisierungsvorteile - in der eingesparten Arbeitszeit können die
qualifizierten Rechtsanwaltsfachangestellten mit anderen Aufgaben betraut
werden z.B. der selbständigen Sachbearbeitung in der Zwangsvollstreckung oder
im Notariat. Durch solch effiziente Aktensachbearbeitung werden die Anwälte
entlastet, was schlussendlich zu einer höheren Wertschöpfung in der Kanzlei
führt: Dr. Bongartz und seine Sozietätspartner haben mehr Zeit für die
umsatzstarken Mandate und mit einem gleich großen Team lassen sich deutlich
mehr Fälle schneller bearbeiten sowie zusätzliche annehmen. Schreibrückstände
gar - in vielen Kanzleien sind Bearbeitungszeiten vom Diktat bis zum
Schriftstück von bis zu einer Woche keine Seltenheit - gehören gänzlich der
Vergangenheit an.
Mit der reinen Spracherkennung hatte Rechtsanwalt und Notar Werner Kastner
auch schon zuvor experimentiert. „Dabei musste man die Texte aber immer
eigenhändig korrigieren - Arbeiten, die eigentlich meine Mitarbeiterinnen
hätten erledigen können.“ Denn so gut Spracherkennung auch heute funktioniert,
ohne anschließende Kontrolle funktioniert es doch noch nicht - soll dies die
Mitarbeiterin erledigen, braucht sie dafür immer noch zusätzlich das
gesprochene Wort des Diktates, damit wirklich alles richtig ist. „Erst
durch die Verbindung mit dem digitalen Diktat macht die Spracherkennung für
mich jetzt wirklich Sinn“, sagt er.
Kanzlei-Workflow wird unterstützt
Seine wesentliche Effektivität schöpft das neue System nach Einschätzung aller
Benutzer aus der integrierten Diktatverwaltung von DictaNet, mit
welcher die Diktate und Texte im Netzwerk problemlos verteilt werden können.
Denn die digitalen Diktate kann Rechtsanwalt und Notar Kastner nun zusammen
mit dem Text beliebig an die einzelnen Mitarbeiter verteilen. Ihrer zeitlichen
Priorität entsprechend weist er seine Sprachdateien den jeweiligen
Mitarbeitern zu. Ein Menü in der Diktatverwaltung zeigt ihm, welche
Mitarbeiterin welches Diktat bearbeitet, welche Diktate erledigt sind und
welche nicht. Möchte eine seiner Mitarbeiterinnen zuhause arbeiten, schickt
er ihr die Diktatdateien einfach per E-Mail.
Beim Handling änderte sich für die Mitarbeiterin ebenso wenig wie für den
Diktanten - sie arbeiten weiterhin mit Ohrhörer und Fußschalter, die am PC
angeschlossen sind. Die neue Arbeitsweise möchten alle Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter inzwischen nicht mehr missen. „Digitale Diktate zu erfassen und
zu bearbeiten - dies sollte in Branchen mit hohem Schreibbedarf wie der
unseren im Grunde künftig selbstverständlich sein “, ist Rechtsanwalt und
Notar Kastner überzeugt